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Klimaschutz auf dem Teller: Jubi Hindelang wird 100 % vegetarisch

Im Dezember 2021 wurde unsere Jubi erneut als klimaneutral zertifiziert. Mit dem Jahreswechsel 2021/2022 stellen wir die Verpflegung nun auf eine rein vegetarische Kost um. Grund für den Verzicht auf Fleisch ist der Klimaschutz.

 

Im Folgenden erklären wir, warum wir auf eine rein vegetarische Ernährung umgestellt haben, warum wir uns gegen regionales Biofleisch auf der einen Seite und gegen eine rein vegane Verpflegung auf der anderen Seite entschieden haben, warum Essen für uns auch ein Bildungsthema ist und welche Dinge wir im Laufe des Jahres noch anpacken werden, um die Verpflegung noch nachhaltiger zu gestalten.

 

Wir möchten unseren CO2-Ausstoß weiter verringern!

Bereits 2020 wurde die Jubi durch die eza! als klimaneutral zertifiziert. Die Zertifizierung bedeutet aber natürlich leider nicht, dass tatsächlich kein CO2 mehr ausgestoßen wird. In den Bereichen, in denen dies nicht verhindert werden kann, werden Kompensationen gezahlt. Wir wollen uns aber nicht darauf ausruhen, Kompensationen zu zahlen, sondern unseren CO2-Ausstoß wirklich immer weiter verringern.

 

Mithilfe der vorliegenden CO2-Bilanzierung durch die eza! haben wir die einzelnen Hausbereiche genauer unter die Lupe genommen. Die CO2-Bilanzierung macht deutlich, dass etwa die Hälfte der Emissionen auf die Verpflegung zurück zu führen sind. Und von den einzelnen Lebensmitteln machen die Emissionen, die von tierischen Produkten stammen, gut 60% aus.

 

Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse aus der CO2-Bilanzierung kristallisierte sich somit für uns das Ernährungsthema als das Feld mit dem größten Handlungsbedarf heraus.

 

Die gesamte Verpflegung soll nachhaltig werden!

Die unterschiedlichen Stellschrauben im Bereich der Verpflegung wurden sehr genau beleuchtet und intern diskutiert. Fest stand, dass die Ernährung so nachhaltig wie möglich sein soll – gleichzeitig muss es aber natürlich wirtschaftlich machbar bleiben. Schließlich sind wir keine kommerzielle Gastronomie, sondern eine Jugendbildungsstätte, deren Angebote sich ganz überwiegend an wenig zahlungskräftige Gäste richten.

 

Auf dieser Grundlage kamen wir letztlich zu dem Ergebnis, dass die Lebensmittel vegetarisch und möglichst regional, saisonal und bio sein sollen. Produkte von weit her sollen vermieden werden und ansonsten aus fairem Handel stammen.

 

Vegetarisch, regionales Bio-Fleisch oder vegan?

Die Entscheidung für eine rein vegetarische Kost war ein Prozess. Aus Klimaschutzgründen macht es eindeutig Sinn, auf Fleisch zu verzichten. Am konsequentesten wäre eine rein pflanzliche Ernährung, denn natürlich hängt die Produktion von Milch mit der von Fleisch zusammen und die Klimabilanz von Milchprodukten ist - nach der von Fleischprodukten - die zweitschlechteste. Gleichzeitig sollen in der Jubi aber auch sehr unterschiedliche Zielgruppen essenstechnisch zufrieden gestellt werden. Außerdem legen wir auch viel Wert auf einen regionalen Bezug unserer Speisen - und was wäre das Allgäu ohne Käse? Zudem müssen die neuen Vorgaben für die Gerichte auch für die Hauswirtschaft machbar bleiben.

 

Wir haben auch über den Ersatz des konventionellen Fleisches durch regionales Biofleisch nachgedacht. Aber Biofleisch ist zu Recht teuer, und das können wir uns schlicht nicht leisten, da wir unsere Preise nicht erhöhen wollen. Und da insgesamt viel mehr Fleisch konsumiert wird, als das, was als Nebenprodukt der Milchwirtschaft entsteht, denken wir, dass dem Gesamtsystem auf jeden Fall auch rein vegetarische Verpflegungsorte gut tun.

 

Nachhaltiges Essen als Bildungsthema

Dabei wollen wir niemanden dazu bringen, generell kein Fleisch mehr zu essen. Letztlich bleiben die Gäste maximal eine Woche bei uns und bekommen hier leckeres, nachhaltiges Essen. Ob und was die Gäste von ihren Erfahrungen mit nach Hause mitnimmt, ist ihre Sache - und das ist auch gut so.

 

Nachhaltigkeit und Klimaschutz gehören zu unseren wichtigsten Bildungsthemen und bei der Verpflegung kann man diese sehr unmittelbar und praxisnah aufgreifen. Dabei möchten wir keinesfalls eine dogmatische Haltung vermitteln, sondern viel mehr zum Nachdenken und Diskutieren anregen, was bei uns auf dem Teller landet und was alles damit zusammenhängt.

 

Wie es weitergehen soll

Dabei erfolgt die Umstellung auf rein vegetarische Vollverpflegung bereits zum Jahreswechsel 2021/2022. (Letzte eingefrorene Restbestände an Fleisch werden zu Jahresbeginn noch aufgebraucht.) Für die umfassende Umstellung auf eine regionale, saisonale Biokost geben wir uns ein Jahr Zeit, innerhalb dessen Rezepte optimiert, neue Lieferanten getestet und Preiskalkulationen erstellt werden sollen. Es soll Zeit zum Ausprobieren geben, denn am Ende soll ja ein gutes Ergebnis stehen. Ein gutes Ergebnis für den Klimaschutz, die Hauswirtschaft und die Gäste – das wünscht sich das gesamte Team der Jubi Hindelang.

 

Wenn ihr Rückmeldungen, kritische Nachfragen, Rezeptvorschläge, Vernetzungsanfragen oder ähnliches habt: Meldet euch gern bei lena[Punkt]behrendes[Klammeraffe]jubi-hindelang[Punkt]de

 

Hintergrundinfos zur vegetarischen Verpflegung

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Schützt vegetarisches Essen wirklich das Klima? Warum dann nicht gleich vegan? Milch und Fleisch gehören doch zusammen?! Wollt ihr jetzt jede*n dazu bringen, Vegetarier*in zu werden? Im Folgenden beantworten wir diese und weitere Fragen rund um unsere Umstellung auf eine rein vegetarische Verpflegung! Am Anfang stand die im Februar 2020 beschlossene Zielvision 2023 des Jubi-Beirates. Darin heißt es zum Thema Ernährung: „Die gesamte Jubi-Verpflegung ist nachhaltig organisiert. Die verwendeten Lebensmittel sind möglichst klimafreundlich, regional und biologisch.“   Zielvision 2023 [70 kb]   Außerdem wurde im Juni 2021 durch den Bundesjugendleiterausschuss (BJA) die JDAV Nachhaltigkeitsstrategie verabschiedet.   JDAV Nachhaltigkeitsstrategie [287 kb] Der Beschluss zur Verpflegung lautet hier: „Wir bieten auf JDAV-Veranstaltungen nachhaltige, grundsätzlich vegetarische oder pflanzliche Verpflegung an.“ Hintergrund dieser Beschlüsse ist die Selbstverpflichtung der JDAV, mehr für Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu tun.   Politische Beschlüsse sind das eine, ihre praktische Umsetzung das andere. Denn natürlich bringen diese Beschlüsse in vielen Bereichen Herausforderungen mit sich. Um es gleich vorweg zu nehmen: Wir sehen das Ganze nicht schwarz/weiß und glauben nicht, dass es einen 100% „richtigen“ Weg gibt. Unser Weg ist ein Kompromiss, den wir im Abwägen verschiedener Rahmenbedingungen und Überzeugungen gefunden haben. Wir sind offen dafür, diesen weiter zu verändern. Uns sind auch die Widersprüche unseres Weges bewusst. Wir glauben nicht, dass wir diese komplett auflösen können, aber wir denken, dass es trotz dieser Widersprüche Sinn macht, was wir tun.   Hier findet ihr Fragen, die wir uns stellten, und die Antworten, die wir momentan darauf gefunden haben.